22. Dezember 2005 Die Südostschweiz

Chalet-Idylle beidseits der Schnellstrasse


Seit Oktober heizen Gabriela Gerber und Lukas Bardill den Passanten an der Tankstelle zwischen Bonaduz und Rhäzüns ein. Gestern gab es an dem unwirtlichen Ort Live-Kunst zu sehen.

obe. - Ein bisschen erinnert die Szenerie an ein Roadmovie: eine stillgelegte Tankstelle auf freier Strecke, bei der nurein im Wind quietschendes "Geschlossen"-Schild fehlt, um die Unwirtlichkeit des Ortes zusätzlich zu untermalen. seit April ist die ehemalige Tankstelle zwischen Bonaduz und Rhäzüns aber Schauplatz künstlerischer interventionen. unter dem Motto "Tankentankentanken" zeigen vom Zürcher Kurator Matthias Rüegg eingeladene Kunstschaffende während längerer Zeit auf den Ort und seine Umstände bezogene Arbeiten.

Gerüstet für den Winter

Das Bündner Künstlerpaar Gabriela Gerber und Lukas Bardill hat den Unort im Oltober gewissermassen für die kalte Jahreszeit eingerichtet. Jeweils ein Holzofen, eine Sitzbank und ein subtiles Lichtkonzept laden auf beiden Strassenseiten - gewissermassen gespiegelt - zum Verweilen ein. "Wir haben auch mit der Idee des Auftankens gespielt", verriet Gerber gestern. "Dank des Ofens und der Sitzbank können die Passantinnen und Passanten Wärme und Ruhe tanken." Das seinem natürlichen Umfeld entrissene Berghüttenidyll von Bardill und Gerber ist noch bis im Februar 2006 zugänglich.

"Einheizen" von gerber und Bardill ist bereits die vierte künstlerische Intervention, die Rüegg an der tankstelle in Rhäzüns zeigt. Mindestens zwei weitere Arbeiten - je eine ab Februar und April des kommenden Jahres - sollen noch folgen, wie er gestern auf Anfrage erklärte.

Musik und Tanz im Nirgendwo

Eingeheizt wurde den Passanten und Autofahrern sowie den besuchern der Bar "Bonazüns" gestern nicht nur mit dem kanonenofen von Gerber und Bardill. Die beiden Künstler haben den kürzesten Tag des Jahres zum Anlass genommen, in Ihrer Rauminstallation Live-Kunst zu bieten. mit dem Tubisten Leo Bachmann und der Tänzerin Dorothea Rust erteilten sie zwei befreundeten Kunstschaffenden gewissermassen einen freipass für stündliche Performance-Auftritte zwischen Sonnenauf- und -untergang. Die akustisch-tänzerischen Einlagen von Rust und Bachmann fanden gestern zwar in Rhäzüns statt, zu sehen waren sie aber auch in Zürich. An der Jubiläumsausstellung des studiengangs für bildende Kunst an der hochschule für Kun und Gestaltung in Zürich wurden die Auftritte am Abend auf Video gezeigt.

 
     
 

22. Dezember 2005 Bündner Tagblatt

Performance: Den kürzesten Tag lang


Eiskalt wars gestern am kürzesten Tag des Jahres bei der ausgedienten Tankstelle in Rhäzüns.

Rauch stieg empor. Die beiden kleinen Holzöfen sorgten für warme Hände, denn eiskalt wars am gestrigen Morgen. Leo Bachmann stand auf einem Eiswürfel und spielte Tuba im Gegenspiel mit Dorothea Rust, die auf der anderen Tankstellenseite mit Gesang antwortete. Die beiden Künstler zelebrierten den kürzesten Tag mit Performance. Die Live-Akion im Rahmen der Intervention "Heizen" von Gabriela Gerber und Lukas Bardill fand ihre Fortsetzung gestern Abend in der Kunsthalle in Zürich. "Heizen" ist die vierte Intervention von "tanken", des Kunstprojekts, das sich seit April 2004 der ausgedienten Tankstelle an der Via Nova in Rhäzüns bedient.

 
     
 

Oktober 2005 Kunstbulletin Nr. 12

Rhäzüns: Tankstelle mit Gabriela Gerber und Lukas Bardill


Ende Oktober, Samstagabend, beginnende Dämmerung: Eine Gruppe Menschen steht locker zu beiden Seiten der Kantonsstrasse zwischen Bonaduz und Rhäzüns an einer seit einem Jahrzehnt verwaisten Tankstelle. Benzin gibt es hier keines mehr, wärmende Energie doch allemal. Wo einst Treibstoff aus Tanksäulen sprudelte, steht jetzt während der dunklen und kalten Jahreszeit beidseitig der Strasse ein schmuckes Kanonenöfchen. Sein Rauchrohr ragt verheissungsvoll in den Himmel. Zwei mächtige Kisten rechts und links sind mit Holzscheiten gefüllt und laden zum Feuer machen ein. Je eine rote Sitzbank lockt die von Nord nach Süd oder von Süd nach Nord Reisenden zu einem beschaulichen Ruhehalt. Die Intervention von Gabriela Gerber und Lukas Bardill ist schlicht, unspektakulär. Auch der Ort selbst ist nichts als ein flüchtiger Punkt einer Durchreise. Und doch erhält er durch diese Installation etwas seltsam Idyllisches. Man hält hier nicht mehr des mangelnden Benzins wegen an. Wer heute an diesem Punkt verweilt, tankt vielleicht etwas ganz anderes. Das Gelände ist offen nach allen Himmelsrichtungen, der Horizont scheint sich hier zu weiten, im realen und im übertragenen Sinn. Fragen nach dem hektischen Treiben unserer Zeit stellen sich ein, auch andere, und zugleich eine gewisse Heiterkeit über die letztlich widersinnige Idee des Feuermachens mitten im Freien. Gabriela Gerber und Lukas Bardill haben Sinn für Schönheit, für Humor und Poesie. Am kürzesten und dunkelsten Tag des Jahres, am 21. Dezember, werden Dorothea Rust (Performance/Bewegung) und Leo Bachmann (Tuba/Sound) die alte Tankstelle an der Via Nova mit neuer Energie bestücken. Bis 28.1. (Finissage)      GK

 
     
 

Oktober 2005 Kunstbulletin Nr. 10

Rhäzüns/Graubünden: TankenTankenTanken


Die 1965 erbaute und seit mehr als zehn Jahren stillgelegte Tankstelle an der Via Nova 2 in Rhäzüns hätte eigentlich im Sommer 2003 abgerissen werden sollen. Für einen begrenzten Zeitraum wird sie nun aber dank der Initiative zweier KünstlerInnen mit neuen Funktionen bedacht. Unter dem süffigen Titel 'TankenTankenTanken' dient sie seit Frühjahr 2004 als Demonstrationsort für ein Kunstprojekt, das sich mit der architektonischen, gesellschaftlichen und geschichtlichen Situation dieser und anderer Tankstellen auseinander setzt. In 'TankenTankenTanken' spricht sich nicht nur ein an 'Kraftwerk' erinnernder minimalistischer Rhythmus aus, auch der mobilitätsversessene, mit grenzenlosen Freiheitsgefühlen gekoppelte Zeitgeist wird angesprochen. Zudem lässt sich bestens aus Paul Virilios 'Fahren, fahren, fahren...' (Merve Verlag, 1978) zitieren. Die erste Arbeit wurde von den ProjektinitiantInnen Chantal Romani und Matthias Rüegg präsentiert, welche den sich auflösenden Zustand der Tankstelle als skulpturale Qualität zum Ausdruck brachten. Nach Erik Dettwiler war der Zürcher Künstler Daniel Robert Hunziker engagiert, welcher den zum Tod verurteilten Ort mittels zweier roter Wände mit glühendem Leben bedachte. Am 22.10. wird um 17.30h die nächste Intervention eingeweiht, sie stammt von Gabriela Gerber und Lukas Bardill, welche ein 'Nachdenken über wild und kultiviert, über Schönheit und Künstlichkeit und über Natur und Landschaft' lancieren wollen. Das Projekt läuft noch bis zum Herbst 2006.

 
     
 

23. September 2005 Rhiiblatt

Das harte Steuerklima (Leserbriefe Rhäzüns)


Wer sich diesen Sommer auf der Hauptstrasse von Bonaduz her in Richtung Süden bewegt, wird unweigerlich mit roter Farbe auf Blech konfrontiert, nachts noch zusätzlich mit Scheinwerfern beleuchtet, offenbar ein modernes Kunstwerk an einer Altlast, als solches Interpretationsbedürftig.

Die rote Farbe könnte auf das Steuerparadies Rhäzüns mit dem höchsten Steuerfuss, das Blech auf das "Blechen" bei der Begleichung der Steuerrechnung hinweisen; oder zeigt Rhäzüns Bonaduz die rote Karte gegen Kooperation oder Fusion? Eine Haltung die kaum wahrscheinlich ist, ist doch Rhäzüns allein finanziell gar nicht überlebensfähig, auch wenn nach den neuesten Informationen über den Finanzausgleich die politische Gemeinde etwas mehr Geld vom Kanton erhalten würde, notabene Geld, das vorher den Steuerzahlern aus der Tasche gezogen wurde.

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Karl Rathgeb, Rhäzüns

 
     
 

25. Juni 2005 Bündner Tagblatt

«Ausgetrocknete» Tankstelle mit Kunst


Die dritte künstlerische Arbeit an der stillgelegten Tankstelle in Rhäzüns nennt sich «BLENDE». Heute Samstagabend, 25. Juni, ist Ausstellungseröffnung für die Installation von Daniel Robert Hunziker. Der 1965 geborene Zürcher nimmt die baulichen Überreste der seit Jahrzehnten vom Reisestrom verlassenen , «ausgetrockneten» Tankstelle auf, stützt sie und gibt ihr mit dem Bau einer markanten Fassade zugleich eine neue Richtung. Gemäss Mitteilung hat die Tankstelle beim Künstler Szenen und Bilder aus amerikanischen Roadmovies hervorgerufen. Hunziker, der kürzlich den eidgenössichen Preis für bildende Kunst erhalten hat, wird mit seiner «BLENDE» zwei Seiten zeigen: die im Aufbau befindliche und die vom Abruch bedrohte Tankstelle; Illusion von der einen, Kulisse von der anderen Seite. (vf)

 
     
  8. Juni.2005 Deutschlandradio Kultur – Kulturradio Berlin
Radiofeuilleton: Kompass

Die Tankstelle als Kunstwerk

Schweizer Kunstprojekt «Tanken Tanken Tanken»
Von Kathrin Messerschmidt

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