TANKEN_ III von Daniel Robert Hunziker: BLENDE

 
 
 

«Eine mögliche kurze Station auf einer langen Fahrt immerneuen Horizontlinien entgegen. Doch diese Strasse wird seit Jahren nicht mehr von erwartungsfrohen Reisenden auf ihrem Weg in den Süden befahren. Der Reisestrom hat sich einen anderen, flüssigeren Weg gesucht und eine ausgetrocknete Tankstelle zurückgelassen.»

Daniel Robert Hunziker hat sich mit der eigentümlichen Faszination der Tankstelle beschäftigt und erinnerte sich dabei unweigerlich an Szenen und Bilder aus den vorwiegend mit dem amerikanischen Kino assoziierten Roadmovies.

«Der Glanz ist längst verblasst und der verwitterte Zustand der Bauten lässt die gewagte Konstruktion nicht mehr kühn, sondern viel eher fragil und bedroht erscheinen. Dem schleichenden Zerfall und Auseinanderbrechen wird durch eine markante bauliche Massnahme temporär entgegengewirkt. Der Ort soll eine neue Richtung, eine neue Orientierung erhalten, indem das übers Dach angedeutete Volumen partiell mit einer Fassade geschlossen wird. Diese vorgeblendete Fassade, die aus einer Fahrtrichtung betrachtet als eine Seite eines vermeintlich geschlossenen Baukörpers erscheint, wird aus industriell gefertigten Trapezblechen gebaut, wie sie heute bei der Verkleidung von Nutzbauten überall zur Anwendung kommen. Die beiden Wandscheiben werden so an der Stirnseite der Dächer ausgerichtet, dass sie quer zur Fahrbahn verlaufen und über diese hinweg auf eine Ebene zu liegen kommen.
Richtung Rhäzüns fahrend, werden die ursprünglichen Dachbauten während der Intervention durch die kulissenartigen Fassaden vollständig verdeckt sein. Aus der Gegenrichtung kommend, offenbart sich zuerst der Blick hinter die Kulissen mit denen Illusion erzeugt wird. Wie zwei Seiten einer Medaille liegen das im Aufbau befindliche und das vom Abbruch bedrohte beieinander.»